E-Auto-Markt erreicht Rekordhoch – Hersteller und Regeln im Wandel
Autor: E-Mobil Magazin Redaktion
Veröffentlicht:
Kategorie: News und Updates
Zusammenfassung: Im September erreichten Elektroautos in Deutschland mit 88.599 Neuzulassungen einen Rekordmarktanteil von 34,5 Prozent, während ausländische Hersteller deutsche Marken überholten.
Elektromobilität erreicht im September einen neuen Höchststand
Der deutsche Markt für Elektroautos hat im September deutlich zugelegt. Nach Angaben von ntv.de wurden 88.599 Elektroautos neu zugelassen, fast doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Der Marktanteil der Fahrzeuge stieg damit auf 34,5 Prozent und lag nur noch knapp unter dem Anteil der Hybridautos.
Auch die Zahlen von Taxi Heute bestätigen den starken Anstieg. Auf Grundlage von Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes und des Verbands der Automobilindustrie meldet das Fachmagazin 88.600 neu registrierte E-Autos, ein Plus von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Bei insgesamt 288.800 neu zugelassenen Fahrzeugen entsprach dies einem Anteil von rund 34,5 Prozent.
Der Verband der Automobilindustrie beziffert den gesamten Bestand an elektrifizierten Pkw im September auf 116.300 Einheiten. Dazu zählen vollelektrische Fahrzeuge, Hybridfahrzeuge und Fahrzeuge mit Brennstoffzelle. Der Elektroanteil an den Gesamtzulassungen erreichte laut Taxi Heute 45,3 Prozent und damit den höchsten Wert seit der Reduktion des Umweltbonus Ende 2022 sowie den zweithöchsten Wert überhaupt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Neuzulassungen von Elektroautos im September | 88.599 |
| Marktanteil der Elektroautos | 34,5 Prozent |
| Elektrifizierte Pkw insgesamt im September | 116.300 |
| Elektroanteil einschließlich Hybridfahrzeugen und Brennstoffzellenfahrzeugen | 45,3 Prozent |
In den ersten drei Quartalen wurden laut Taxi Heute 851.600 elektrifizierte Pkw neu zugelassen. Das waren 42 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der vollelektrischen Fahrzeuge stieg um 58 Prozent auf 604.100 Einheiten, während das Hybridsegment um 14 Prozent auf 247.500 Fahrzeuge wuchs.
Nach Angaben von ntv.de summierten sich die Neuzulassungen von Elektroautos seit Jahresbeginn auf gut 600.000 Fahrzeuge. Das entspricht einem Zuwachs von 58,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Importeursverband VDIK sprach von einem Höchststand beim Marktanteil und verwies darauf, dass die Entwicklung zunehmend von Privatkunden getragen werde.
Der gesamte deutsche Pkw-Markt legte im September nach Angaben von Taxi Heute um 9 Prozent auf 256.800 Neuzulassungen zu. In den ersten neun Monaten wurden 2,22 Mio. Fahrzeuge neu zugelassen, 5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Vorkrisenniveau des Jahres 2019 wurde jedoch weiterhin unterschritten; nach neun Monaten lag der Markt 19 Prozent darunter.
Die privaten Neuzulassungen gewannen ebenfalls an Bedeutung. ntv.de berichtet von einem Anstieg um 28,5 Prozent im September, wodurch private Käufer inzwischen auf einen Anteil von gut zwei Fünftel der gesamten Neuzulassungen kommen. Taxi Heute beziffert den Anteil der privaten Neuzulassungen am Pkw-Gesamtmarkt auf 40,3 Prozent.
„Besonders erfreulich ist, dass diese Entwicklung zunehmend von Privatkunden getragen wird“, sagte VDIK-Präsidentin Imelda Labbe laut ntv.de.
Als wichtigen Grund für die steigende Nachfrage nennen die Quellen die staatliche Förderung von Elektrofahrzeugen für Privatpersonen. Nach Angaben von ntv.de können Autokäufer abhängig vom Einkommen bis zu 6000 Euro für einen Neuwagen erhalten. Bis Anfang Oktober wurden dem Umweltministerium zufolge 100.000 Anträge bewilligt.
Umweltminister Carsten Schneider erklärte laut ntv.de, das Förderprogramm habe die Erwartungen weit übertroffen. Die Förderung wird von RP Online ebenfalls als wesentlicher Faktor für den Boom beschrieben. Das Nachrichtenportal bewertet den wachsenden Anteil der Elektroautos als Erfolg der Bundesregierung, sieht darin aber zugleich einen politischen Widerspruch zur Unterstützung von Diesel und Benzin durch einen Tankrabatt.
„Jedes zusätzliche Elektroauto macht unser Land unabhängiger von teuren Ölimporten und internationalen Konflikten“, sagte Umweltminister Carsten Schneider laut ntv.de.
Zusammenfassung: Im September erreichten Elektroautos in Deutschland einen Marktanteil von 34,5 Prozent. Förderanträge, steigende private Nachfrage und ein starkes Wachstum bei den Neuzulassungen prägen die Entwicklung.
Deutsche Hersteller verlieren bei Elektroautos an Boden
Von der steigenden Nachfrage profitieren nach Angaben von ntv.de vor allem ausländische Hersteller. Ihr Marktanteil bei Elektrofahrzeugen lag laut VDIK bei 46 Prozent. Zugleich verzeichneten mehrere ausländische Marken deutlich stärkere Zuwächse als deutsche Hersteller.
| Hersteller | Entwicklung laut ntv.de |
|---|---|
| Tesla | Absatzplus von 268,7 Prozent |
| BYD | 85,6 Prozent mehr verkaufte Autos |
| MG | 60,8 Prozent mehr verkaufte Autos |
| Volkswagen | 6,1 Prozent weniger Neuwagen |
Volkswagen setzte laut ntv.de 6,1 Prozent weniger Neuwagen ab als im Vorjahreszeitraum. Auch BMW und Ford verzeichneten Verluste. Gleichzeitig stieg bei den deutschen Herstellern laut Taxi Heute der inländische Auftragseingang für rein batterieelektrische Pkw im September um 79 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Seit Jahresbeginn gingen aus dem Inland 66 Prozent mehr Bestellungen für E-Autos ein als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Die Produktionszahlen zeigen ein gemischtes Bild. In Deutschland wurden im September 392.200 Pkw hergestellt, unverändert gegenüber September 2025. In den ersten neun Monaten wurden 3,03 Mio. Pkw produziert, 4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum und 15 Prozent weniger als im Vorkrisenjahr 2019.
Der Export lag im September bei 288.800 Fahrzeugen und damit 1 Prozent über dem Vorjahresmonat. Seit Januar wurden 2,29 Mio. Pkw ausgeführt, 4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die inländischen Auftragseingänge stiegen im September um 4 Prozent, während die Bestellungen aus dem Ausland um 16 Prozent zurückgingen. Insgesamt wurden 13 Prozent weniger Bestellungen registriert als im September 2025.
Zusammenfassung: Ausländische Hersteller wachsen im Elektrosegment teilweise deutlich schneller als deutsche Marken. Gleichzeitig steigen die heimischen Bestellungen, während Produktion, Auslandsgeschäft und Auftragseingänge insgesamt unter Druck bleiben.
Bidirektionales Laden: Neue Regeln, aber hohe Einstiegshürden
Seit Oktober 2026 gelten in Deutschland neue Regeln für das bidirektionale Laden. BASIC thinking berichtet, dass die Bundesnetzagentur die sogenannte MiSpeL-Festlegung als wichtigen Schritt für die Marktintegration von Speichern und Ladepunkten bewertet. Für Verbraucher bleibt die Nutzung des Elektroautos als Stromspeicher jedoch mit technischen, rechtlichen und finanziellen Hürden verbunden.
Beim bidirektionalen Laden können Elektroautos nicht nur Strom aus dem Netz aufnehmen, sondern ungenutzte Energie auch zurückspeisen. Das als Vehicle-to-Grid bezeichnete Prinzip ermöglicht den Einsatz von Elektroautos als Energiespeicher. Vehicle-to-Load beschreibt die Nutzung des Fahrzeugs als Powerbank für einzelne Geräte, während Vehicle-to-Home die Rückspeisung in das eigene Hausnetz bezeichnet. Vehicle-to-Building ermöglicht die Nutzung mehrerer Fahrzeuge für die Versorgung gewerblicher Gebäude.
Nach Berechnungen von Eon und BMW kann die jährliche Prämie für Fahrzeughalter bis zu 720 Euro betragen, wenn das Fahrzeug acht Stunden täglich mit dem Netz verbunden ist. Eine Studie geht bis 2030 von rund 500 Euro pro Jahr aus. BASIC thinking stellt diese möglichen Einnahmen den Kosten für eine bidirektionale Wallbox gegenüber, die derzeit 2.000 bis 4.000 Euro kosten kann.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Mögliche Prämie pro Jahr | bis zu 720 Euro |
| Annahme für die Prämienberechnung | acht Stunden tägliche Netzanbindung |
| Studienwert bis 2030 | rund 500 Euro pro Jahr |
| Reichweite, die sich mit 720 Euro laden ließe | circa 14.000 Kilometer |
| Durchschnittliche Pkw-Fahrleistung in Deutschland | 12.320 Kilometer pro Jahr |
| Preis einer bidirektionalen Wallbox | 2.000 bis 4.000 Euro |
Eine rechtliche Hürde wurde bereits beseitigt. Laut BASIC thinking werden Elektroautos rechtlich mit stationären Batteriespeichern gleichgestellt. Die Doppelbelastung durch Netzentgelte beim Ein- und Ausspeichern entfällt seit Anfang 2026.
Die praktische Umsetzung bleibt zunächst eingeschränkt. In einer Übergangsphase bis Ende September 2027 ist die Anwendung der neuen Regeln weiterhin von der Zustimmung des Netz- und Messstellenbetreibers abhängig. Nach Einschätzung des Energie-Software-Unternehmens Lumenaza ist deshalb eine breite und verlässliche Umsetzung vor Oktober 2027 nicht sicher.
„Die MiSpeL-Festlegung wird im Markt dringend erwartet. Sie wird unzählige große und kleine Stromspeicher sowie Ladepunkte für das Stromsystem aktivieren“, sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, laut BASIC thinking.
Für die Nutzung im Alltag sind mehrere technische Voraussetzungen erforderlich. Neben einem kompatiblen Elektroauto und einer geeigneten Wallbox werden laut BASIC thinking Wechselrichter, ein Energiemanagementsystem sowie eine netzkonforme Installation und Anmeldung benötigt. Zudem fehlen bei mehreren Herstellern noch die notwendigen Software-Freigaben, während ältere Modelle den rückwärtigen Stromfluss trotz passendem Stecker teilweise verweigern.
Auch die Batteriegarantie wirft Fragen auf. Die Hersteller beziehen ihre Garantiezusagen laut BASIC thinking gewöhnlich auf acht Jahre oder 160.000 Kilometer und auf das reguläre Fahren und Laden. Ob diese Zusagen auch die zusätzliche Nutzung durch bidirektionales Laden abdecken, bleibt offen.
Unterschiede bestehen außerdem zwischen Wechselstrom- und Gleichstromlösungen. Beim Wechselstrom-Laden übernimmt das Fahrzeug die Umwandlung, während für bidirektionales Gleichstrom-Laden die entsprechende Technik in der Wallbox erforderlich ist. Gleichstromlösungen sind dadurch leistungsfähiger, aber auch teurer.
Zusammenfassung: Die neuen Regeln beseitigen eine regulatorische Hürde für bidirektionales Laden. Hohe Anschaffungskosten, fehlende Kompatibilität, Zustimmungserfordernisse und offene Fragen bei den Batteriegarantien verhindern jedoch zunächst eine breite Nutzung.
Reparaturkosten werden zum Wettbewerbsfaktor für chinesische Fahrzeuge
Europäische Autohersteller verlieren ihren bisherigen Vorteil bei den Reparaturkosten. Nach einer Analyse des Allianz-Zentrums für Technik, über die Logistik Heute berichtet, schrumpfte der Vorsprung europäischer Hersteller bei der Einstufung in niedrigere Versicherungstypklassen deutlich.
2024 lagen europäische Hersteller bei der Versicherungseinstufung noch drei Typklassen vor chinesischen Herstellern. 2026 beträgt der Vorsprung laut Christian Sahr, dem Leiter des Allianz-Zentrums für Technik, nur noch eine Typklasse. Chinesische Hersteller verbesserten sich im Durchschnitt um 1,5 Typklassen, während europäische Hersteller durchschnittlich 0,5 Typklassen schlechter wurden.
| Vergleich | Angabe |
|---|---|
| Vorsprung europäischer Hersteller 2024 | drei Typklassen |
| Vorsprung europäischer Hersteller 2026 | eine Typklasse |
| Verbesserung chinesischer Hersteller | 1,5 Typklassen |
| Veränderung europäischer Hersteller | 0,5 Typklassen schlechter |
Die Auswertung bezog sich laut Logistik Heute auf Modelle, die seit 2024 in Deutschland auf den Markt kamen. 2024 wurden 174 Modelle betrachtet, 2025 waren es 115 und in der ersten Hälfte dieses Jahres 35.
Christian Sahr sieht darin einen klaren Trend. Chinesische Hersteller würden bei Reparaturfreundlichkeit und Reparaturkosten schnell dazulernen, während europäische Hersteller im Durchschnitt schlechter würden. Für Fahrzeughalter könne dies zu höheren Kosten führen, da die Gesamtkosten eines Fahrzeugs mit zunehmendem Alter steigen.
„Europäische Hersteller scheinen der Reparaturfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge zunehmend weniger Bedeutung beizumessen“, sagte Christian Sahr laut Logistik Heute.
Bei neuen chinesischen Marken hatten laut Logistik Heute zunächst fehlende Werkstattnetze und eine geringe Ersatzteilverfügbarkeit zu längeren Reparaturzeiten und höheren Versicherungskosten geführt. Dieses Problem habe sich in den vergangenen Jahren insbesondere bei den großen Herstellern deutlich verbessert.
Marktführer unter den chinesischen Herstellern in Deutschland ist laut der Quelle BYD. Das Unternehmen kam in den ersten acht Monaten auf 36.748 Neuzulassungen und lag damit vor Tesla, Citroën und Mazda.
Der Kauf eines chinesischen Fahrzeugs bleibt nach Einschätzung von Logistik Heute dennoch mit einem weiteren Risiko verbunden. In China gibt es bislang über 100 Automarken, von denen etliche rote Zahlen schreiben oder nur sehr kleine Gewinne erzielen. Das Überleben vieler Marken sei daher ungewiss.
Als langfristige Mindestgröße nannte Changan-Chef Hua Zhurong laut Logistik Heute einen Absatz von 3 bis 3,5 Millionen Fahrzeugen pro Jahr bis 2030, damit ein chinesischer Autohersteller überleben könne. Die auch in Deutschland vertretenen Hersteller Leapmotor und X-Peng liegen bislang weit unter dieser Marke.
Zusammenfassung: Chinesische Hersteller holen bei Reparaturkosten und Versicherungseinstufungen auf. Für Käufer bleibt neben den laufenden Kosten jedoch die langfristige Stabilität einzelner Marken ein Unsicherheitsfaktor.
Quellen:
- Starker Schub für Elektromobilität: 34,5 Prozent der Neuwagen sind E-Autos
- Neue Regeln für E-Autos als Speicher – doch es bleibt kompliziert
- Schon 100.000 Förderanträge: Drei Lehren aus dem E-Auto-Boom
- Automobilbranche: Europäische Hersteller verlieren Vorteil bei Reparaturkosten
- Neuer Rekordwert: E-Auto-Zulassungen verdoppeln sich auf fast 35 %
- Renault plant 10 Milliarden-Invest besonders in Elektromobilität
- Rekord für E-Autos in Deutschland, Verbrenner stürzen ab
- Meinung: News des Tages: Rekord bei Neuzulassungen für Elektroautos, Sánchez kündigt Neuwahlen in Spanien an, Medizin-Nobelpreis für zwei Deutsche
- Mercedes, VW, BMW: Warum deutsche Autos teurer sind als chinesische
- Nicht nur Kaufpreis zählt – Großer ADAC-Check: Das ist Deutschlands günstigstes E-Auto
- E-Autos: Zukunftsfähig dank Prämie?!
- E-Auto: Aral, Shell oder Ionity? Das sind die besten Ladetarife für Ihr E-Auto
- Ladesäulenatlas 2026: Stuttgart überflügelt alle
- Ladeinfrastruktur in Oberbayern: München und Region beim E-Auto-Ausbau vorn
- Qwello übernimmt Mehrheit an Groen-Eco in den Niederlanden
- Ladepunkte für E-Autos: Auf dem Land weiter Nachholbedarf bei Ladeinfrastruktur - Wirtschaft - SZ.de
- Standardisierung der Ladeinfrastruktur – Beseitigung aller Bedenken, damit die Vietnamesen Elektrofahrzeuge wählen können.
- Beim Ladepunkt-Ausbau führen Stuttgart und Mettmann
- Elektroauto im Winter: Reichweite, Heizen, Laden
- Über 1300 km ohne Ladestopp: Warum der neue Reichweiten-Weltrekord nicht nur Audi-Fahrer betrifft
- Neue E-Lkw für Frankreichs Fernverkehr: Geodis bestellt 110 schwere Elektro-Lkw
- Gartner beschafft 40 E-Lkw – darunter 20 Superpanther eTopas 600
- Studie: Wo in Europa der Ladebedarf für Elektro-Lkw entstehen wird
- Gartner: Investition in 40 E-Lkw – 20 MAN eTGX dabei
- Einstiger Wasserstoff-Pionier setzt nun lieber auf E-Lkw