Elektromobilität wächst in Europa – Ladeinfrastruktur wird zum Prüfstein

Autor: E-Mobil Magazin Redaktion

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Kategorie: News und Updates

Zusammenfassung: Europas E-Automarkt wächst stark, während Ladeinfrastruktur leistungsfähiger werden muss; Steffen Bilger steht für einen technologieoffenen Verkehrskurs.

Elektromobilität erreicht neue Marktanteile – Ladeinfrastruktur wird zum nächsten Prüfstein

Elektroautos in Europa auf Rekordniveau

Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge in der Europäischen Union hat im zweiten Quartal laut DIE ZEIT und einer Auswertung des Beratungsunternehmens PwC mit 22 Prozent den höchsten Wert aller Zeiten erreicht. Erstmals überschritt der Markt dabei die Marke von 600.000 reinen Elektroautos.

Auch in Deutschland entwickelte sich der Markt im Juni besonders dynamisch. Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen lag bei 28,4 Prozent und damit knapp über dem Hybrid-Anteil von 28,1 Prozent. PwC führt die Entwicklung unter anderem auf Schwankungen beim Ölpreis zurück.

Weltweit wurden im zweiten Quartal mehr als 3,9 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge verkauft. PwC wertete dafür Neuzulassungszahlen aus 43 Märkten aus; dort wurden insgesamt rund 6,6 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen.

Das weltweite Wachstum fiel mit neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum allerdings schwächer aus als zuvor. Im ersten Halbjahr 2025 hatte der Zuwachs bei den Neuzulassungen noch mehr als ein Drittel betragen, im Gesamtjahr 2025 lag er noch bei knapp einem Drittel.

MarktEntwicklung beziehungsweise Anteil
EU im zweiten Quartal22 Prozent Marktanteil
Deutschland im Juni28,4 Prozent BEV-Anteil; 28,1 Prozent Hybrid-Anteil
Weltweit im zweiten QuartalMehr als 3,9 Millionen BEV
China im ersten HalbjahrKnapp 3,6 Millionen BEV; minus fünf Prozent
USA im ersten Halbjahr460.000 BEV; minus 22 Prozent; sechs Prozent Marktanteil
Europa im ersten HalbjahrKnapp 1,6 Millionen BEV; plus 33 Prozent

China blieb der größte Elektroautomarkt der Welt, verzeichnete im ersten Halbjahr jedoch einen Rückgang um fünf Prozent auf knapp 3,6 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge. Weil zugleich der gesamte chinesische Automarkt schrumpfte, erreichten BEV im zweiten Quartal dort einen Anteil von 44 Prozent an den Neuzulassungen.

In den USA wurden im ersten Halbjahr 460.000 batterieelektrische Fahrzeuge verkauft. Das entsprach einem Minus von 22 Prozent und einem Marktanteil von sechs Prozent.

Deutlich besser entwickelte sich Europa: In der EU, Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz wurden laut PwC knapp 1,6 Millionen BEV zugelassen, 33 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Deutschland war dabei vor dem Vereinigten Königreich und Frankreich erneut der größte Einzelmarkt Europas.

Auch gebrauchte Elektroautos legten zu. In Deutschland verdoppelte sich ihr Anteil laut PwC von drei Prozent im Mai 2025 auf über sechs Prozent im Mai 2026.

„Die Ölpreisentwicklung wirkt wie ein externer Beschleuniger für die Verbreitung der Elektromobilität“, sagte der PwC-Automobilmarktexperte Harald Wimmer. Entscheidend seien jedoch die technologische Reife der aktuellen Modellgeneration, hohe Reichweiten, wettbewerbsfähige Preise und Vorteile bei den Betriebskosten.

Zusammenfassung: Europa erreichte mit 22 Prozent BEV-Marktanteil ein neues Allzeithoch. Während China und die USA Rückgänge verzeichneten, legte Europa um 33 Prozent zu; auch gebrauchte Elektroautos gewannen in Deutschland an Bedeutung.

Ladeinfrastruktur soll mit dem Fahrzeughochlauf Schritt halten

Die nächste Entwicklungsphase der Elektromobilität entscheidet sich nach einer Analyse von ecomento.de nicht mehr allein am Fahrzeugangebot, sondern zunehmend an der Ladesäule. Grundlage ist die siebte Ausgabe des „EV Charging Index“ der Unternehmensberater von Roland Berger.

Demnach war 2025 weltweit jedes vierte neu verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto. Die weltweiten Verkäufe von Elektrofahrzeugen stiegen um mehr als 20 Prozent.

Europa erholte sich nach einem schwachen Vorjahr deutlich. Die Verkäufe legten um rund ein Drittel auf 3,7 Millionen Fahrzeuge zu, wodurch die Elektromobilität einen Anteil von nahezu 30 Prozent an allen Neuwagenverkäufen erreichte.

In Nordamerika war die Marktentwicklung dagegen rückläufig. Als Gründe nennt die Analyse politische Unsicherheiten und eine schwächere Konsumentenstimmung.

„Die nächste Phase der Elektromobilität entscheidet sich nicht mehr allein durch Fahrzeuge, sondern an der Ladesäule“, sagte Martin Weissbart von Roland Berger. Europas und Deutschlands Aufgabe sei es, das Wachstum der Elektromobilität mit einem Ladeangebot zu verbinden, das den Bedürfnissen künftiger Elektroautofahrer gerecht werde.

Weltweit wurden 2025 rund 1,1 Millionen neue öffentliche Ladepunkte installiert. Das war ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, wird von Roland Berger jedoch nicht als Zeichen nachlassender Investitionen bewertet.

Statt des reinen Ausbaus rückt laut Analyse die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur in den Mittelpunkt. Dazu zählen schnelles und ultraschnelles Laden mit 150 kW+ sowie eine höhere wirtschaftliche Attraktivität von Schnellladesäulen.

China bleibt laut Roland Berger der Taktgeber der Elektromobilität. Das Land überschritt bei den Neuzulassungen einen Elektrofahrzeuganteil von 50 Prozent. Bei der Ladeinfrastruktur ist dort bereits fast jeder zweite öffentliche Ladepunkt ein Schnell- oder Ultraschnelllader, während es in Europa nur gut jeder fünfte ist.

In Westeuropa kommen derzeit durchschnittlich rund 45 batterieelektrische Fahrzeuge auf einen Schnellladepunkt. Roland Berger sieht darin ein vergleichsweise niedriges Verhältnis, das zeige, dass die Ladeinfrastruktur bislang mit der steigenden Nachfrage Schritt halte. Zugleich bestehe Potenzial für eine höhere Auslastung der bestehenden Netze.

Zusammenfassung: Der Ausbau der Ladeinfrastruktur bleibt ein zentraler Faktor für die weitere Verbreitung von Elektroautos. Der Schwerpunkt verschiebt sich vom bloßen Aufbau neuer Ladepunkte hin zu Schnellladefähigkeit, Leistungsfähigkeit und besserer Auslastung.

Steffen Bilger soll technologieoffenen Kurs im Verkehrsministerium vertreten

Elektroauto-News berichtet über Steffen Bilger, der als neuer Bundesverkehrsminister vorgeschlagen wurde. Der CDU-Politiker verfügt über neun Jahre Erfahrung im Verkehrsausschuss und war von 2018 bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer.

Bilger gilt nicht als grundsätzlicher Gegner der Elektromobilität. Bereits 2015 erklärte er im Bundestag, die Zukunft der Mobilität werde „ganz entscheidend von der Elektromobilität abhängen“. Damals forderte er eine Beschaffungsoffensive des Staates, mehr elektrische Lieferfahrzeuge in Städten und ein flächendeckendes Ladenetz.

Direkte Kaufprämien bewertete Bilger zu dieser Zeit skeptisch. Stattdessen wollte er Forschung, Entwicklung, Infrastruktur und gewerbliche Flotten unterstützen. Zwei Jahre später hielt er sechs Millionen Elektrofahrzeuge bis 2030 für realistisch.

Seine Position war zugleich von Technologieoffenheit geprägt. Die Politik solle nicht vorgeben, ob sich Batterieautos, Brennstoffzellen oder andere Antriebe durchsetzen. Neben Ladepunkten unterstützte Bilger deshalb auch den Aufbau von Wasserstofftankstellen.

Als Parlamentarischer Staatssekretär war Bilger später an Förderprogrammen für Elektrofahrzeuge, Ladeinfrastruktur und alternative Nutzfahrzeugantriebe beteiligt. In den vergangenen Jahren verteidigte er jedoch zunehmend auch den Verbrennungsmotor.

Im Bundestag kritisierte Bilger 2023 die europäischen Vorgaben für neue Pkw und warnte vor neuen Abhängigkeiten von China bei Batterien. Klimaneutrale Mobilität müsse aus seiner Sicht neben Elektromotoren auch Wasserstoff, Brennstoffzellen, Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe umfassen.

Damit ergibt sich für die Elektromobilität ein gemischtes Bild. Bilger kennt laut Elektroauto-News die Bedeutung von Ladeinfrastruktur, elektrischen Flotten und alternativen Antrieben, dürfte sich aber gegen eine eindeutige politische Priorisierung des batterieelektrischen Autos stellen.

Zu den weiteren Aufgaben des neuen Verkehrsministers zählen die marode Infrastruktur, Probleme bei der Bahn und die Finanzierung bereits geplanter Projekte. Der Auto Club Europa fordert, Straßen, Brücken und Schienen vorrangig zu sanieren und angesichts des hohen Erhaltungsbedarfs neue Straßenprojekte zurückzustellen.

Der Verkehrsclub Deutschland verlangt ebenfalls einen Schwerpunkt auf der bestehenden Infrastruktur. Das Schienennetz müsse saniert, ausgebaut und stärker elektrifiziert werden; weitere Autobahnen hält der Verband für die falsche Priorität.

Für die Elektromobilität schlägt der ACE unter anderem eine Senkung der Stromsteuer vor. Günstigerer Strom, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen könnten den Umstieg auf Elektroautos erleichtern.

Zusammenfassung: Steffen Bilger verbindet frühe Unterstützung für Elektromobilität und Ladeinfrastruktur mit einem technologieoffenen Ansatz. Seine künftige Politik dürfte daher nicht ausschließlich auf Batterieautos ausgerichtet sein, sondern auch Wasserstoff, E-Fuels und den Verbrennungsmotor einbeziehen.

Pressespiegel: Gemeinsames Bild aus Markt, Infrastruktur und Politik

Die drei ausgewerteten Beiträge zeichnen ein gemeinsames Bild der Elektromobilität im Jahr 2026. Der Markt wächst in Europa deutlich, während die Entwicklung in China und den USA uneinheitlicher verläuft.

Gleichzeitig rückt die Ladeinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt. Neben der Zahl der Ladepunkte geht es zunehmend um Schnellladefähigkeit, Leistungsfähigkeit, Auslastung und die Integration des Ladens in den Alltag.

Auf politischer Ebene deutet die Berufung von Steffen Bilger auf einen technologieoffenen Kurs hin. Die weitere Entwicklung der Elektromobilität wird damit sowohl von steigenden Marktanteilen als auch von politischen Rahmenbedingungen und der Qualität des Ladeangebots abhängen.

Quellen: