TUM-Whitepaper: E-Autos verursachen 41 Prozent weniger CO₂ als Verbrenner
Autor: E-Mobil Magazin Redaktion
Veröffentlicht:
Kategorie: News und Updates
Zusammenfassung: Ein TUM-Whitepaper beziffert die CO₂-Einsparung von Elektroautos auf durchschnittlich 41 Prozent und fordert eine umfassende Lebenszyklus-Bilanz statt der EU-„Null-Gramm“-Bewertung.
TUM-Whitepaper stellt EU-Bewertung von Elektroautos infrage
Ein neues Whitepaper der Technischen Universität München (TUM) stellt die EU-Logik zur CO₂-Bewertung von Elektroautos infrage. Laut Auto Motor und Sport, das über die Untersuchung berichtet und auf eine Vorab-Berichterstattung der „Bild“ verweist, verursachen batterieelektrische Autos im Durchschnitt 41 Prozent weniger CO₂ als vergleichbare Verbrenner.
Die Zahl bezieht sich nicht ausschließlich auf den Fahrbetrieb. Die TUM wertete 19 Studien mit 47 Szenarien aus und berücksichtigte dabei Rohstoffgewinnung, Produktion, Nutzung und Recycling. Der Wert von 41 Prozent ist damit ein Durchschnitt über unterschiedliche Annahmen und Rahmenbedingungen.
Eine zentrale Rolle spielt laut dem Bericht der Strommix. Wie emissionsarm der Strom für das Laden und für die Herstellung eines Elektroautos ist, beeinflusst die Klimabilanz erheblich. Je „grüner“ der Strom ausfällt, desto besser ist demnach die Bilanz des Elektroautos.
„Die 41 Prozent sind kein Wert ‚am Auspuff‘, sondern eine Lebenszyklus-Aussage.“
Die Untersuchung stellt zugleich klar, dass Elektroautos nicht als CO₂-frei gelten. Die 41 Prozent beschreiben den durchschnittlichen Abstand zu vergleichbaren Verbrennern innerhalb der ausgewerteten Studien und hängen von den jeweiligen Voraussetzungen der Berechnung ab.
| Auswertung | Angabe |
|---|---|
| Untersuchte Studien | 19 |
| Berücksichtigte Szenarien | 47 |
| Durchschnittliche CO₂-Einsparung batterieelektrischer Autos | 41 Prozent |
Zusammenfassung: Die TUM kommt in der Auswertung auf durchschnittlich 41 Prozent weniger CO₂ für batterieelektrische Autos gegenüber vergleichbaren Verbrennern. Entscheidend für das Ergebnis sind die vollständige Lebenszyklusbetrachtung und die zugrunde gelegten Annahmen, insbesondere zum Strommix.
Kritik an der EU-Bilanzierung mit „null Gramm CO₂“
Die TUM kritisiert, dass Elektroautos in der EU-Regulatorik für Neuwagen im Fahrbetrieb als „null Gramm CO₂“ bewertet werden. Bei dieser Betrachtung werden laut dem Bericht ausschließlich Emissionen am Auspuff berücksichtigt, obwohl Elektroautos während des Betriebs keine Abgase ausstoßen.
Aus Sicht der Wissenschaftler blendet diese Methode wesentliche Emissionsquellen außerhalb des Fahrbetriebs aus. Dazu zählen unter anderem der Materialeinsatz und die Herstellung, etwa die Emissionen, die in Stahl und Aluminium „stecken“, sowie die Produktion der Batterie.
Auch die Nutzungsphase kann je nach Strommix unterschiedliche Ergebnisse liefern. Die TUM bezeichnet die einseitige Betrachtung des Fahrbetriebs laut Auto Motor und Sport als „wissenschaftlich nicht haltbar“, weil sie den gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs nicht abbildet.
„Wissenschaftlich nicht haltbar“ sei die Perspektive, wesentliche Emissionsquellen außerhalb des Fahrbetriebs auszublenden.
In der politischen und regulatorischen Debatte wird dagegen angeführt, dass Emissionen aus Kraftwerken und Industrie in der EU bereits über Instrumente wie den Emissionshandel erfasst werden. Eine zusätzliche Zurechnung dieser Emissionen zum Fahrzeug könne demnach zu Doppelzählungen führen.
- Die EU-Regulatorik betrachtet bei Elektroautos im Fahrbetrieb „null Gramm CO₂“.
- Die TUM bezieht Materialeinsatz, Herstellung, Batterieproduktion, Nutzung und Recycling ein.
- Der Strommix beeinflusst die Emissionen der Nutzungsphase.
- Als Gegenargument wird eine mögliche Doppelzählung durch bestehende Instrumente wie den Emissionshandel genannt.
Zusammenfassung: Im Mittelpunkt steht der Gegensatz zwischen einer einfachen Betrachtung der Auspuffemissionen und einer vollständigen Lebenszyklus-Bilanz. Die TUM fordert, Emissionen aus Herstellung, Materialien, Batterie, Nutzung und Recycling stärker einzubeziehen.
Lebenszyklus-Bilanz soll industriepolitische Anreize verändern
Aus der aktuellen CO₂-Systematik leitet die TUM auch industriepolitische Folgen ab. Wenn die Regulierung fast ausschließlich auf den Betrieb eines Fahrzeugs ausgerichtet ist, könnten Emissionsminderungen in Lieferketten und Produktion weniger stark priorisiert werden.
Nach Einschätzung der Forscher bleiben dadurch Dekarbonisierungspotenziale „über den kompletten Lebenszyklus“ teilweise ungenutzt. Die Klimawirkung eines Fahrzeugs würde damit nicht nur durch seine Antriebsart, sondern auch durch die Herkunft der Rohstoffe, die Produktionsbedingungen, den verwendeten Strom und das Recycling bestimmt.
Die Untersuchung richtet den Blick außerdem auf den gesamten Fahrzeugbestand. Laut dem Bericht werde der Fahrzeugbestand auch in vier Jahren voraussichtlich noch zu 78 Prozent aus Verbrennern bestehen.
Damit gewinnt die Frage an Bedeutung, wie schnell die Emissionen im Bestand tatsächlich sinken können. Neben dem Antrieb spielen dabei der Strommix, die Produktionsketten und das Recycling eine Rolle.
| Betrachteter Fahrzeugbestand | Angabe |
|---|---|
| Voraussichtlicher Anteil der Verbrenner in vier Jahren | 78 Prozent |
Zusammenfassung: Die TUM sieht in der Lebenszyklus-Bilanz einen Ansatz, um Emissionsminderungen in Produktion und Lieferkette stärker zu berücksichtigen. Gleichzeitig verweist die erwartete Zusammensetzung des Fahrzeugbestands darauf, dass Verbrenner auch in vier Jahren noch 78 Prozent ausmachen werden.
EU-Automobil-Paket und Forderung nach Technologieoffenheit
Politisch fällt die Debatte laut Auto Motor und Sport in eine Phase, in der im November ein EU-„Automobil-Paket“ im Europaparlament und im Rat beraten werden soll. Die Frage, wie CO₂-Emissionen von Fahrzeugen bewertet werden, könnte damit auch für künftige regulatorische Entscheidungen an Bedeutung gewinnen.
In Deutschland greift Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die Argumentation auf und fordert mehr „Technologieoffenheit“ statt starrer Verbote. Auch der VDA plädiert für einen Mix an Lösungen.
Markus Söder fordert mehr „Technologieoffenheit“ statt starrer Verbote.
Die Diskussion verbindet damit wissenschaftliche Bilanzierung, europäische Regulierung und industriepolitische Entscheidungen. Während die TUM eine umfassendere Betrachtung der Emissionen verlangt, stehen in der politischen Debatte unterschiedliche technologische Lösungen im Mittelpunkt.
Zusammenfassung: Im November soll ein EU-„Automobil-Paket“ im Europaparlament und im Rat beraten werden. Markus Söder fordert mehr „Technologieoffenheit“, während der VDA einen Mix an Lösungen befürwortet.
Quelle
Auto Motor und Sport: „Nur 41 Prozent weniger CO₂ im Schnitt: TUM kritisiert EU-Nullwert für E-Autos“.
Quellen: