Elektromobilität in Deutschland: Private Nachfrage schwächelt, Infrastruktur wächst weiter

19.08.2025 31 mal gelesen 0 Kommentare

Elektromobilität am Scheideweg: Private Nachfrage in Deutschland weiterhin gering

Die Elektromobilität in Deutschland und Europa befindet sich laut einer aktuellen Studie des Center Automotive Research (CAR) an einem kritischen Wendepunkt. Während der Volkswagen-Konzern seinen Marktanteil bei vollelektrischen Fahrzeugen in Deutschland und Europa im Jahr 2025 verbessern konnte, bleibt die private Nachfrage nach E-Autos weiterhin schwach. Die Studie hebt hervor, dass die privaten Neuzulassungen in Deutschland im Jahr 2024 um fast 50 Prozent zurückgegangen sind – trotz massiver Herstellerrabatte. Von Januar bis Juli 2025 lag der Anteil privater Neuzulassungen bei E-Autos bei 29,6 Prozent.

Ein zentrales Problem ist laut der Studie der Wegfall der Umweltprämie, der insbesondere preissensitive Haushalte benachteiligt hat. Die Autoren fordern daher eine gezielte Kaufprämie für Elektroautos unter 25.000 Euro, um Mitnahmeeffekte zu verhindern und die Mobilitätswende voranzutreiben. Studienautorin Beatrix Keim betont, dass Förderungen im unteren Preissegment dreimal so stark wirken wie bei Premiummodellen. Zudem haben rund 70 Prozent der Führerscheininhaber in Deutschland noch nie ein reines Elektroauto gefahren, was die Kaufbereitschaft weiter hemmt.

Auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur gibt es Nachholbedarf: Das öffentliche Ladenetz wuchs von Anfang 2023 bis Mai 2025 um über 70.000 Ladepunkte auf 166.876, doch die Umsetzung gilt als ineffizient. In Deutschland kommen derzeit 17 Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt, während es in den Niederlanden nur sechs sind. Die Studie fordert eine rechtliche Anpassung des Baugesetzes, um den Ausbau zu beschleunigen.

Der Konkurrenzdruck aus China nimmt weiter zu. Chinesische Hersteller gewinnen mit aggressiven Preisen, hoher Digitalisierung und technischer Reife Marktanteile in Europa. Volkswagen profitiert aktuell von der Schwäche Teslas, steht aber vor der Herausforderung, Innovationsfähigkeit, Kostenführerschaft und attraktive Einstiegsmodelle zu sichern. Gelingt dies nicht, droht laut Studie der Verlust strategischer Handlungsfähigkeit gegenüber dynamischeren Wettbewerbern aus China.

  • Private Neuzulassungen von E-Autos in Deutschland 2024: -50 %
  • Öffentliches Ladenetz in Deutschland (Mai 2025): 166.876 Ladepunkte
  • Förderung soll gezielt für E-Autos unter 25.000 Euro gelten
  • 17 E-Autos pro Ladepunkt in Deutschland, 6 in den Niederlanden

Infobox: Die Studie des CAR-Instituts sieht die Elektromobilität in Deutschland an einem Scheideweg. Ohne gezielte Förderung und Infrastrukturmaßnahmen droht die Mobilitätswende zu scheitern. (Quelle: WAZ-ONLINE.de)

Geflügelhof setzt auf E-Mobilität: Erste Erfahrungen mit dem Mercedes eActros 600

Der Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof hat seinen Fuhrpark um einen weiteren vollelektrischen LKW, den Mercedes eActros 600, erweitert. Betriebsleiter Andreas Rathsack berichtet, dass der neue eLKW eine Leistung von 600 kW bietet und Strecken von 500 bis 600 km und mehr bewältigen kann. Die Energie für den Betrieb stammt aus einer eigenen Agri-PV-Anlage und drei Biogasanlagen, was den Betrieb ökonomisch, ökologisch sicher und CO2-neutral machen soll.

Der eActros 600 ist brandneu im Fuhrpark und wird aktuell im Alltag getestet. Rathsack zeigt sich zuversichtlich, dass die Technik alltagstauglich ist und sieht in der Nutzung eigener Energiequellen einen klaren Vorteil für die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Betriebs.

  • Leistung Mercedes eActros 600: 600 kW
  • Reichweite: 500 bis 600 km und mehr
  • Energieversorgung: Agri-PV-Anlage und drei Biogasanlagen

Infobox: Der Geflügelhof Fürstenhof setzt auf E-Mobilität mit dem Mercedes eActros 600 und nutzt dabei selbst erzeugte Energie für einen nachhaltigen und wirtschaftlichen Betrieb. (Quelle: agrarheute.com)

Prof. Dr. Pero Mićić: „Hybride sind nur Bilanzkosmetik“

Im Gespräch mit Elektroauto-News kritisiert Prof. Dr. Pero Mićić, dass viele Unternehmen weiterhin auf Hybridlösungen setzen, um kurzfristig bessere Zahlen zu präsentieren. Er bezeichnet Hybride als „bilanzielle Strategie“, die nur für drei bis vier Jahre gut aussehe, danach aber umso schlechter. Mićić fordert einen radikalen Strategiewechsel hin zur Elektromobilität und warnt, dass deutsche OEMs künftig andere Eigentümer haben und deutlich kleiner werden könnten, wenn sie nicht konsequent auf Elektromobilität setzen.

Als positives Beispiel nennt er Norwegen, wo Subventionen für E-Mobilität bereits vor zehn Jahren eingeführt wurden und heute nicht mehr nötig sind. Die Batteriepreise seien seitdem um 90 Prozent gefallen. Neue Batteriegenerationen wie die Shenxing-Zellen von CATL mit 5 Minuten Ladezeit für bis zu 400 Kilometer zeigen laut Mićić die Richtung der Entwicklung.

„Hybride sind eine bilanzielle Strategie, das sieht drei, vier Jahre besser aus, aber dann umso schlechter.“ (Prof. Dr. Pero Mićić)
  • Batteriepreise seit 2015: -90 %
  • CATL Shenxing-Zellen: 5 Minuten Ladezeit für bis zu 400 km

Infobox: Prof. Dr. Mićić sieht die Zukunft klar in der Elektromobilität und warnt vor weiteren Investitionen in Verbrenner und Hybride. (Quelle: Elektroauto-News)

China treibt EREV-Boom voran – und hat bei E-Autos weiter das Nachsehen

In China erleben Extended-Range Electric Vehicles (EREV) einen Boom. 2024 wurden laut McKinsey mehr als eine Million EREVs verkauft, ein Plus von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. EREVs kombinieren einen Elektromotor mit einem kleinen Benzingenerator, der die Batterie während der Fahrt lädt. Modelle wie der BYD Yangwang U8 SUV und der Chery Exeed ET erreichen eine kombinierte Reichweite von über 1.000 Kilometern, wobei die rein elektrische Reichweite bei 180 km (Yangwang U8) bzw. 150 km (Exeed ET) liegt.

Europäische Hersteller wie Volkswagen haben bisher nur Konzeptfahrzeuge mit Range-Extender vorgestellt. Für den europäischen Markt gibt es aktuell nur zwei Modelle: den Leapmotor C10 REEV und den Mazda MX-30 R-EV, die jedoch hinter den chinesischen Modellen zurückbleiben. In den USA plant VW den EREV-Scout-Pick-up, Stellantis ein EREV-Modell des Ram 1500 Pick-ups. Laut AlixPartners könnte sich die Jahresproduktion von EREVs in China bis Ende der Dekade bei rund 3,2 Millionen Fahrzeugen einpendeln.

Modell Rein elektrische Reichweite Kombinierte Reichweite
BYD Yangwang U8 180 km über 1.000 km
Chery Exeed ET 150 km über 1.000 km

Infobox: Der EREV-Boom in China könnte auch für europäische Hersteller eine Chance sein, insbesondere da EREVs in der EU ab 2035 nicht vom Verbrennerverbot betroffen sind. (Quelle: Merkur)

Gen Z verliert das Interesse an E-Autos

Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Simon-Kucher erwägen nur noch 52 Prozent der unter 30-Jährigen den Kauf eines Elektroautos – ein Rückgang um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Hauptgrund ist der Preis: 59 Prozent der jungen Erwachsenen sehen die Kosten als größtes Kaufhindernis. Während chinesische Hersteller günstige Einstiegsmodelle anbieten, fehlen solche Angebote bei europäischen Marken. Nur 27 Prozent der Befragten planen tatsächlich, ein E-Auto zu kaufen, obwohl 60 Prozent die Zukunft in der Elektromobilität sehen.

Die Gen Z sucht vor allem verlässliche Alltagsautos und keine Hightech-Premiumprodukte. 76 Prozent bevorzugen beim Autokauf das klassische Gespräch im Autohaus, während KI-basierte Kaufberatung nur 45 Prozent überzeugt. Verbrenner gelten als wirtschaftlich kalkulierbare Alternative mit stabilen Restwerten.

  • Nur 52 % der unter 30-Jährigen erwägen den Kauf eines E-Autos (-9 Prozentpunkte)
  • 59 % nennen den Preis als Hauptkaufhindernis
  • Nur 27 % planen tatsächlich den Kauf eines E-Autos
  • 76 % bevorzugen das Autohaus, 45 % KI-basierte Beratung

Infobox: Die Gen Z ist preissensibel und wünscht sich günstige, verlässliche E-Autos – ein Segment, das europäische Hersteller bislang kaum bedienen. (Quelle: Auto Motor und Sport)

Stadtwerke Duisburg: Über 300 Ladepunkte im Stadtgebiet

Die Stadtwerke Duisburg haben in den vergangenen Wochen 22 neue Ladepunkte an zehn Standorten in Betrieb genommen. Damit steigt die Gesamtzahl der Ladepunkte auf 306, während es Anfang des Jahres noch rund 200 waren. Die neuen Ladepunkte sind größtenteils AC-Lader mit 22 kW Leistung, an einem Standort wurde auch eine DC-Ladesäule mit 2x 50 kW installiert. Insgesamt betreiben die Stadtwerke Duisburg nun 302 Ladepunkte an 124 Standorten, davon 42 Schnellladepunkte mit einer Ladeleistung zwischen 49 und 150 kW.

Die neuen Säulen sind an den Verbund ladenetz.de angeschlossen, der rund 275 Anbieter umfasst. Die Kilowattstunde kostet an den eigenen AC-Ladern 0,48 Euro, an den DC-Säulen 0,58 Euro. Das Ziel der Stadtwerke ist es, den Bestand auf 500 Ladepunkte auszubauen.

  • Gesamtzahl Ladepunkte (August 2025): 306
  • AC-Lader: 22 kW, DC-Lader: 50 kW
  • Preis pro kWh: 0,48 € (AC), 0,58 € (DC)
  • Ziel: 500 Ladepunkte

Infobox: Die Stadtwerke Duisburg treiben den Ausbau der Ladeinfrastruktur voran und bieten wettbewerbsfähige Preise für das Laden von E-Autos. (Quelle: electrive.net)

Studie: Dynamischer Fahrstil verlängert Lebensdauer von E-Auto-Batterien

Eine Studie des SLAC-Stanford Battery Centers zeigt, dass die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Akkus in E-Autos um mehr als ein Drittel (38 Prozent) höher sein kann als bisher angenommen. Die Forscher empfehlen das sogenannte „Dynamic Cycling“ – einen Fahrstil mit wechselndem Tempo, häufigem Bremsen und Anfahren, wie er im Stadtverkehr typisch ist. Dadurch sind bis zu 38 Prozent mehr Ladezyklen möglich, was die Laufleistung der Akkus um mehr als 300.000 Kilometer verlängern kann.

Die Studie kritisiert bisherige Labortests, die mit konstanter Entladungsrate arbeiten, als nicht realitätsnah. Stattdessen trägt ein dynamischer Fahrstil mit gelegentlichen Beschleunigungen und Bremsvorgängen zur längeren Lebensdauer der Batterien bei.

  • Bis zu 38 % mehr Ladezyklen durch „Dynamic Cycling“
  • Lebensdauer der Akkus kann um mehr als 300.000 km verlängert werden

Infobox: Ein dynamischer Fahrstil mit häufigem Bremsen und Anfahren verlängert die Lebensdauer von E-Auto-Batterien deutlich. (Quelle: Südkurier)

Quellen:

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